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November: Deutscher Buchpreis 2018

Gott der Barbaren von Stephan Thome,

"Sollte der Moment, da wir Seinen Willen zu erkennen glauben, zugleich der Beginn der Barbarei sein ?" Mitte des 19. Jahrhunderts überzieht eine christliche Rebellion das chinesische Kaiserreich mit Terror und Zerstörung. Ein junger deutscher Missionar, der voller Idealismus bei der Modernisierung des Landes helfen will, gerät zwischen die Fronten eines Krieges und droht alles zu verlieren, was ihm wichtig ist. In seinem packenden und weitblickenden Roman erzählt Stephan Thome von religiösem Fanatismus, von unserer Verführbarkeit und dem Verlust von Orientierung in einer sich radikal verändernden Welt.

Nachtleuchten von Maria Cecilia Barbetta

In ihrem neuen Roman erzählt María Cecilia Barbetta von der gespenstischen Atmosphäre am Vorabend eines politischen Umsturzes. Sie sind aus der ganzen Welt gekommen und haben sich in Buenos Aires eine Existenz aufgebaut. In dem Viertel Ballester kämpfen sie jeder auf seine Art für den Aufbruch, die Revolution und eine bessere Zukunft - Teresa und ihre Klassenkameradinnen in der katholischen Mädchenschule ebenso wie Celio, der Friseur in der "Ewigen Schönheit", oder die Mechaniker der Autowerkstatt "Autopia". Doch politische Spannungen zerreißen das Land, Aberglaube und Gewalt schleichen sich in die Normalität. Mit einem feinen Gespür für die Poesie des Alltags erzählt die in Argentinien geborene María Cecilia Barbetta von der Liebe zum Leben in Zeiten des Umbruchs. 

Die Katze und der General von Nino Haratischwili

Alexander Orlow, ein russischer Oligarch und von allen "Der General" genannt, hat ein neues Leben in Berlin begonnen. Doch die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg lassen ihn nicht los. Die dunkelste ist jene an die grausamste aller Nächte, nach der von der jungen Tschetschenin Nura nichts blieb als eine große ungesühnte Schuld. Der Zeitpunkt der Abrechnung ist gekommen. Nino Haratischwili spürt in ihrem neuen Roman den Abgründen nach, die sich zwischen den Trümmern des zerfallenden Sowjetreichs aufgetan haben.

Archipel von Inger Maria Mahlke

Ein großer europäischer Familienroman von der Peripherie des Kontinents: der Insel des ewigen Frühlings, Teneriffa. Auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2018. "Es ist der 9. Juli 2015, vierzehn Uhr und zwei, drei kleinliche Minuten. In La Laguna, der alten Hauptstadt des Archipels, beträgt die Lufttemperatur 29,1 Grad. Der Himmel ist klar, wolkenlos und so hellblau, dass er auch weiß sein könnte". Damit fängt es an. Und mit Rosa, die zurückkehrt auf die Insel und in das heruntergewirtschaftete Haus der vormals einflussreichen Bernadottes. Rosa sucht. Was, weiß sie nicht genau. Doch für eine Weile sieht es so aus, als könnte sie es im Asilo, dem Altenheim von La Laguna, finden. Ausgerechnet dort, wo Julio noch mit über neunzig Jahren den Posten des Pförtners innehat. Julio war Kurier im Bürgerkrieg, war Gefangener der Faschisten, er floh und kam wieder, und heute hütet er die letzte Lebenspforte der Alten von der Insel. Julio ist Rosas Großvater. Von der mütterlichen Seite . Einer, der Privilegien nur als die der anderen kennt.

Sechs Koffer von Maxim Biller

Der bekannte und außerordentlich produktive deutsche Autor erzählt in diesem schmalen, weitgehend autobiografischen Roman von seiner jüdisch-russischen Familie, die am Ende nach der Flucht aus der Sowjetunion - darauf spielt wohl der Titel an - nun in der ganzen Welt verstreut lebt. Vor allem geht es aber um ein bisher nicht gelüftetes Familiengeheimnis, nämlich um die Frage, welcher seiner vier Söhne den eigenen Vater, den sie alle jiddisch "Taten" nannten, denunziert und damit seine Hinrichtung verschuldet hatte. War es Dima, der selbst fünf Jahre im Gefängnis war, aber schon vorzeitig entlassen wurde, weil er eine Verpflichtungserklärung unterschrieben hatte? Oder war es Natalia Gelernter, die Frau Dimas, die mondäne Filmemacherin, das "Flittchen", wie die Mutter des Erzählers, von Eifersucht geplagt, sie nannte? Oder Lev, das schwarze Schaf in der Familie, der mit niemand redete, oder gar der Vater des Erzählers? Diese Fragen verfolgen den Erzähler schon von Kindheit an und lassen ihn ein Leben lang nicht los. Auch dem Leser bleibt es überlassen, seine Schlüsse aus all diesen Mutmaßungen zu ziehen. Der besondere Reiz dieses Romans liegt allerdings neben der sprachlichen Virtuosität und der kompositorischen Raffinesse darin, dass diese Kriminalhandlung eingebettet ist in ein schillerndes Psychogramm dieser interessanten, intriganten, aber trotzdem liebenswerten Familie. Sehr anregend auch, wie souverän der Autor mit verschiedenen Erzählperspektiven spielt. Empfehlenswert.

Der Vogelgott von Susanne Röckel.

"Der Vogelgott" hat es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Jury-Sprecherin Christine Lötscher sagte, alle sechs nominierten Bücher kreisten um Reisen durch Raum und Zeit. Allerdings sind Raum und Zeit im Roman der in München lebenden Autorin Susanne Röckel am wenigsten fassbar. Röckel ist die Überraschungskandidatin auf der Shortlist und geht als Außenseiterin ins Rennen um den Deutschen Buchpreis. Ihr an einen Schauerroman aus der Feder eines Edgar Allen Poe oder an eine Kafka-Erzählung erinnernder Text spielt in einem nicht näher verorteten Dorf Z. irgendwo am Rhein und die Zeit bleibt ebenfalls im Ungefähren. Röckel erzählt die mythische Geschichte des "Vogelgotts" aus den Perspektiven von Lehrer Weyde, der als Tierpräparator arbeitet, und seinen drei Kindern Thedor, Dora und Lorenz. Besessenheit und Gier führen Weyde zu jenem Vogelgott, der Mythos beherrscht später die Leben seiner Kinder und entfaltet einen Sog für den Leser. - Eine fantastische Geschichte, auf die man sich einlassen muss. Für literarisch Interessierte.

Oktober: Neuerscheinungen von der Frankfurter Buchmesse

Unter der Drachenwand                               Arno Geiger 

Anfang 1944 kommt Soldat Veit Kolbe verletzt aus Russland nach Hause. Er zieht sich an den Mondsee im Salzkammergut zurück, wo ein Onkel Postenkommandant ist und ihm ein Zimmer besorgt. Dort kuriert er eine Splitterverletzung aus und schluckt Pervitintabletten gegen seine Angstattacken. Auf Krücken humpelnd erkundet er das beschauliche Landleben. In der Nachbarschaft ist eine Lehrerin mit einer Schar halbwüchsiger Mädchen auf Landverschickung untergebracht. Ein Bruder der Quartiersfrau, der sich nach Brasilien träumt, züchtet im Gewächshaus Orchideen und Tomaten. Und als Zimmernachbarin hat er die Darmstädterin Margot mit ihrem Säugling. Die beiden kommen sich nach und nach näher

Wie hoch die Wasser steigen    von Anja Kampmann

Geschichte einer intensiven Männerfreundschaft unter schweren Arbeits- und Lebensbedingungen.

Wenzel Groszak aus dem Ruhrgebiet, meist Waclaw genannt, ist mit seiner Freundin Milena nach Polen, dem Herkunftsland der Eltern, gezogen. Doch die materielle Situation ist prekär und Waclaw entschließt sich, Arbeit auf Ölplattformen anzunehmen. Er trifft auf den Kollegen Mátyás, der für Jahre sein bester Freund wird. Sie arbeiten auf verschiedenen Plattformen, und dann geschieht in einer stürmischen Nacht ein Unglück.

9783462047769

Jahre später von Angelika Klüssendorf

April trennt sich von ihrem dominanten Ehemann Ludwig und findet nach vielen Umwegen zu sich selbst.

Die alleinerziehende April, die in der DDR aufwuchs (siehe Klüssendorf: "Das Mädchen" (BP/mp 11/875) und "April" (BP/mp 14/955), lernt kurz vor dem Fall der Mauer den Westdeutschen Ludwig kennen. Der ehrgeizige und sehr selbstbewusste Chirurg zieht sie durch sein hartnäckiges Werben in seinen Bann und sie heiratet ihn, obwohl sie ihn nicht liebt. Trotz der Geburt von Sohn Sam wird April nicht glücklich.

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